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Strategische Asset Allokation
und Performancebericht
Welche Performance muss ausgewiesen werden?
Bei vielen Performanceberichten wird entweder nur gerade die gesamte
Anlageperformance ausgewiesen, oder aber man wird mit Performance-
zahlen geradezu überhäuft.
Laurent Cantaluppi, Cantaluppi & Hug AG
Schweizer Personalvorsorge / Prévoyance Professionnelle Suisse / 01.2010
Natürlich interessiert sich ein Auftraggeber vor allem für die gesamte Anlage-
performance, denn diese fasst die Rendite
einer Anlage in einer einzigen Zahl zusammen. Im nachfolgenden Artikel geht es
jedoch um die zeitgewichtete oder TWR-Performance, welche einen Performance-
vergleich mit anderen, echten oder fiktiven
Anlagen ermöglicht.
Bei einer globalen Betrachtung der An-lageperformance sind die Vergleichsmög-
lichkeiten beschränkt. In Sonderfällen wie
den Pensionskassen werden allgemein gebräuchliche Indizes, zum Beispiel der CS
Schweizer Pensionskassen Index oder die
BVG-Indizes der Bank Pictet zu Vergleichen
herangezogen.
Performanceanalysen aufgrund von
allgemeingültigen Indizes müssen jedoch
mit Vorsicht genossen werden, denn viele
Faktoren welche die Modalitäten einer
Gesamtanlage bestimmen können dabei
nicht berücksichtig werden. Deshalb ist
eine verfeinerte Performanceanalyse der
Anlage unerlässlich. Und dazu muss zusätzlich zur Gesamtperformance die Per-
formance einzelner Anlagekategorien berechnet werden.
Performance der Anlagekategorien
Unter Anlagekategorien verstehen wir
verschiedene Unterkategorien der Globalanlage, zum Beispiel:
- Flüssige Mittel
- Obligationen in CHF
- Obligationen in Fremdwährungen
- Aktien Schweiz
- Aktien Ausland
- Immobilien
- Alternativanlagen
Der grosse Vorteil solcher Anlagekategorien liegt in der Vergleichbarkeit ihrer
Performance mit derjenigen von standardisierten Benchmarks wie dem SPI für
Schweizer Aktien oder dem SBI für Obligationen in Schweizerfranken. Für globalere
Gefässe wie Aktien Europa gibt es von spezialisierten Agenturen berechnete Indizes.
Tabelle 1 liefert das Beispiel eines solchen Vergleichs unter Angabe, für jede
Anlagekategorie, der Benchmark, ihrer
Performance, sowie der effektiven Performance (siehe Seite 78).
Der Performanceausweis pro Anlagekategorie und dessen Vergleich mit stan-
dardisierten Benchmarks bietet klare Vorteile gegenüber einem einfachen Perfor-
manceausweis für die Gesamtanlage.
Problematisch bleibt jedoch der Vergleich
der Gesamtperformance mit einzelnen
Benchmarks. Dieser Vergleich ist nur möglich unter Berücksichtigung der strategischen Allokation.
Strategische Allokation
Die strategische Allokation besteht
aus einer Gewichtung verschiedener Anlagekategorien, welche als langfristiges Ziel
bezeichnet werden kann. Sie berücksichtigt die erwartete Rendite, die Risiken und
die Korrelationen der verschiedenen Anlagekategorien ebenso wie die Risikofähig-
keit des Anlegers. Zusätzlich zur strategischen Gewichtung wird für jede Anlage-
kategorie ein Minimum und ein Maximum
definiert, um dauernde Neugewichtungen
wegen Kursschwankungen zu vermeiden
und dem Verwalter genügend Spielraum
für eine zeitweilige Über- oder Untergewichtung gewisser Anlagekategorien ein-
zuräumen. Tabelle 2 zeigt ein solches
Beispiel einer Anlagestrategie.
Die strategische Allokation ermöglicht
die Festlegung einer individuellen Benchmark für unsere Gesamtanlage. Wir kön-
nen nämlich aufgrund der strategischen
Gewichtung einen Mischindex aufbauen.
Die Performance dieser Benchmark errechnet sich aus der gewichteten Summe
der Performance der Benchmark jeder
einzelnen Anlagekategorie, wobei die Gewichtung der strategischen Allokation
entspricht. Zu bemerken ist, dass dieser
Mischindex nicht einer Passivstrategie
entspricht, sondern einer laufende Neugewichtung der Anlage gemäss der strate-
gischen Allokation. Tabelle 3 stellt dies
beispielhaft dar.
Nun können wir zurückkehren zu unserer globalen Anlageperformance und
diese mit dem individualisierten Mischindex vergleichen.
Der Unterschied zwischen der effektiven Performance der Gesamtanlage und
der Benchmark hat einen doppelten Ursprung:
Die Selektivität: Die Performance einer
bestimmten Anlagekategorie weicht von
der entsprechenden Benchmark daher ab,
weil die Zusammensetzung des Verwalterportfolios mit derjenigen der Benchmark
nicht identisch ist. Die durch den Vermögensverwalter getroffene Titelauswahl
(Selektivität) kann im Vergleich zur Benchmark zu einer Über- oder Unterperfor-
mance führen.
Das Timing: Die Performance der Ge-
samtanlage unterscheidet sich von derje-
nigen der Benchmark, weil die Gewichtung
der verschiedenen Anlagekategorien von
der strategischen Gewichtung abweicht.
Einerseits führen Kursschwankungen zu
Schwankungen in der effektiven Gewich-
tung und andererseits verfügt der Vermö-
gensverwalter über einen gewissen Spiel-
raum zur Über- oder Untergewichtung be-
stimmter Anlagekategorien.
Die Selektivität wurde eigentlich be-
reits durch den Performancevergleich der
Anlagekategorien mit den betreffenden
Benchmarks analysiert. Tabelle 1 zeigt
eine klare Überperformance aller Anlage-
kategorien. Werden diese effektiven Per-
formances gewichtet, so erhält man eine
Überperformance von 1.59 Prozent. Dar-
aus kann geschlossen werden, dass die
Überperformance der Anlage hauptsäch-
lich auf eine gute Selektivität zurückzu-
führen ist, das Timing hingegen eine se-
kundäre Rolle spielt. Diese Betrachtungs-
weise der Selektivität und des Timings
entspricht nicht der klassischen Definition
der Performancezuteilung, ist aber we-
sentlich einfacher umzusetzen und zu in-
terpretieren.
Zu beachten gilt, dass der Mischindex
immer auf der strategischen und nicht auf
der effektiven Gewichtung begründet sein
muss, ansonsten wäre das Timing auch im
Mischindex integriert und könnte also
nicht mehr getrennt analysiert werden.
Verteilung der Anlage
auf Verwaltungsmandate
Bisher haben wir die Performance un-
tersucht, ohne uns um die verschiedenen
Verwaltungsmandate zu kümmern. Nor-
malerweise wird jedoch nicht ein einziger
Vermögensverwalter mit einer Anlage be-
traut. Die Anlageperformance muss daher
nicht nur als Ganzes sondern auch mit
Blick auf jeden einzelnen Verwalter analy-
siert werden, um etwelche Stärken oder
Schwächen umgehend aufzudecken. Auch
hier muss die Performance auf die Anlage-
kategorien herunter gebrochen werden,
insbesondere im Fall von Mischmandaten.
Die Performanceanalyse muss allen
Besonderheiten der Mandate Rechnung
tragen. Verfolgen die Verwaltungsman-
date nicht dieselbe Strategie wie die Ge-
samtstrategie, so muss man sich unbe-
dingt vergewissern, dass die Gewichtung
der Verwaltungsmandate mit der Ge-
samtstrategie vereinbar ist.
Tabelle 1
| Anlagekategorie |
Benchmark |
Benchmark- Performance |
Effektive Performance |
| Flüssige Mittel | CHF 3-Mo. Eurodeposit | 2.44 | 2.45 |
| Obligationen CHF | Swiss Bond Index | –0.29 | 1.94 |
| Obligationen FW | World Government Bond Index | 2.93 | 3.01 |
| Aktien Schweiz | Swiss Performance Index | –0.05 | 0.41 |
| Aktien Europa | MSCI Europe ex-CH | 6.49 | 10.01 |
| Aktien USA | MSCI North America | –0.69 | 0.54 |
| Aktien Pazifik | MSCI Pacific | –2.34 | 4.96 |
Tabelle 2
| Anlagekategorie |
Strategische Gewichtung |
Gewichtung |
Maximale Gewichtung |
| Flüssige Mittel | 14 | 3 | 18 |
| Obligationen CHF | 35 | 28 | 40 |
| Obligationen FW | 18 | 12 | 25 |
| Aktien Schweiz | 14 | 8 | 20 |
| Aktien Europa | 11 | 6 | 18 |
| Aktien USA | 4 | 2 | 8 |
| Aktien Pazifik | 4 | 0 | 8 |
Tabelle 3
| Anlagekategorie |
Strategische Gewicht. in % |
Benchmark |
Performance der Benchmark |
| Flüssige Mittel |
14 |
CHF 3-Mo. Eurodeposit |
2.44 |
| Obligationen CHF | 35 | Swiss Bond Index | -0.29 |
| Obligationen FW | 18 | World Government Bond Index | 2.93 |
| Aktien Schweiz | 14 | Swiss Performance Index | -0.05 |
| Aktien Europa | 11 | MSCI Europe ex-CH | 6.49 |
| Aktien USA | 4 | MSCI North America | -0.69 |
| Aktien Pazifik | 4 | MSCI Pacific | -2.34 |
| Gesamtanlage |
|
Mischindex |
1.50 |
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