Time is Money

Performance-Messung

Zeit- respektive geldgewichtete Renditen sind nicht nur unterschiedlich, sondern auch komplementär zueinander.

Laurent Cantaluppi, Ruedi Hug
Cantaluppi & Hug AG, Software and Consulting, Zürich
Schweizer Bank / 11.1997




Die «Internal Rate of Return»- (IRR-) Methode wird in Anhang A der «Swiss Performance Presentation Standards» (Schweizerische Bankiervereinigung) als TWR-Methode und im «Investments» (Sharpe & Alexander) als MWR-Methode definiert. Was ist richtig? Da beide Quellen äusserst seriös sind, erwarten wir, dass beide recht haben.

MWR zeigt die Portfolio-Performance auf
Die Begriffe MWR und TWR beinhalten keine präzise Berechnungsformel, sie dienen lediglich dem Zweck, die Performance des Geldes (MWR) und des Portfoliomanagers (TWR) auseinanderzuhalten. Deshalb gibt es unterschiedliche Möglichkeiten. eine MWR- resp. TWR-Performance zu berechnen.
  • MWR misst die Performance Ihres Geldes
  • TWR misst die Performance Ihres Portfoliomanagers
Der Unterschied liegt in der Art und Weise der Bewertung der Mittelzuflüsse und -abfliisse. Falls zu günstigen oder ungünstigen Zeitpunkten investiert oder desinvestiert werden musste, dann kann dies dem Portfoliomanager weder gutgeschrieben noch angelagert werden. Wie unser abschliessendes Beispiel zeigt, können die MWR und TWR sehr unterschiedlich sein.
  • Eine TWR-Methode soll die Hohe des investierten Kapitals «neutralisieren », da der Portfoliomanager keinen direkten Einfluss darauf hat, d.h., die Performance in einer Periode wird nur mit der Dauer dieser Periode bewertet und nicht mit der Hohe des investierten Kapitals, daher der Ausdruck «zeitgewichtet».
  • Eine MWR-Methode soll die Rendite des im Portfolio investierten Gel des messen, d.h., Perioden mit höherem investierten Kapital werden höher bewertet als Perioden mit niedrig investiertem Kapital, daher der Ausdruck «geldgewichtet».
Welche konkreten Berechnungsverfahren stehen zur Verfugung und welches soll verwendet werden? Betrachten wir zuerst den MWR. Die bevorzugte Methode für die Berechnung eines MWR ist die «Internal Rate of Return»-(oder IRR-) Methode. Ihre technische Definition ist etwas kompliziert: «Es ist der Diskontierungssatz, der den Barwert der Zu- und Abflüsse und des Portfolioendwertes gleich dem Portfolioanfangswert setzt» (Sharpe & Alexander). Die meisten Anleger würden sicher die folgende intuitivere Definition vorziehen und würden das Resultat als die Performance ihres Portfolios anerkennen:

«Hätte ich mein Geld auf einem Geldkonto mit konstanter Verzinsung investiert. wie gross müsste dcr Zinssatz sein (= IRR), damit unter der Berücksichtigung sämtlicher Ein- und Auszahlungen am Ende der Performanceperiode genau der gegebene Konto-Endwcrt resultiert?»

Es gibt heute keinen triftigen Grund, nicht die IRR-Methode zu verwenden. Wir befinden uns im Computerzeitalter, und die «IRR» kann problemlos berechnet werden, eine entsprechende Funktion steht sogar in gängigen Programmen wie Microsoft Excel zur Verfugung. Vor der Verwendung approximativer Methoden, wie z.B. «Rendite auf dem durchschnittlich investierten Kapital» sei gewarnt, denn sie können irreführende Resultate ergeben, insbesondere für Portfolios mit grossen Zu- und Abflüssen. Die Situation verschlimmcrt sich noch, wenn die Berechnung der Performance für ein Teilportfolio, z.B. eine Anlagekategorie, erfolgt. In diesem Fall muss eine Geldverschiebung von einer Anlagekategorie in die andere als Geldabfluss resp. Geldzufluss für diese Anlagekategorie betrachtet werden, was zu entsprechenden Performance-Verzerrungen führen kann.



Drei Methoden zur TWR-Messung
Betrachten wir nun den TWR. Die folgenden Methoden sind in den Swiss Performance Presentation Standards (SPPS) aufgelistet:
  • Daily Valuation Method
  • Modified BAI Method (IRR)
  • Modified Dietz Method
Die Daily Valuation Method ist die einzige «genaue» TWR-Methode. Sie bewertet das Portfolio am Ende jedes Tages, berechnet die Rendite für den entsprechenden Tag und berücksichtigt dann die Zu- und Abflüsse für den folgenden Tag. Die mit Zinseszins kombinierten täglichen Renditen ergeben die Performance für die Gesamtperiode. Leider ist diese Methode oft nicht durchführbar, weil die Daten (Kurse) nicht unmittelbar vorhanden sind oder der Bewertungsprozess zu zeitund geldaufwendig ist. Dies führt zur Verwendung von Approximationsmethoden. z.B. die zwei folgenden.
Die Einschliessung der Modified Bank Administration Institute (BAI) Method oder Internal Rate of Return (IRR) in der Liste der TWR-Methode ist etwas verwirrend. Diese Methode wurde gerade als die MWR-Methode «par excellence» beschrieben. Der Unterschied liegt daran, dass die Performance-Berechnung im TWR Fall nur für relativ kleine Zeitperioden erfolgt (mindestens quartalsweise germäss SPPS, monatliche Berechnung empfohlen) und diese berechneten Renditen für die Gesamtperiode kombiniert werden (mit Zinseszins). Dazu soll die Berechnung jedesmal erfolgen, wenn ein Zu- oder Abfluss die Portfolio-Performance verzerren könnte (mehr als 10% des Portfoliowertes gemäss Empfehlungen der SPPS).
Die Modified Dietz Method ist für Portfoliomanager und Mandanten, die ihre Portfolios ohne Computer verwalten. Es ist eigentlich eine Approximationsmethode der obig beschriebenen BAI- resp. IRRMethode. Wenn immer möglich sollte die Modified Dietz Method nicht angewendet werden Die BAI- resp. IRR-Methoden sind viel besser. Wie wir es schon gesehen haben, steht die IRR-Methode leicht zur Verfügung. Alle anderen für die IRRMethode im MWR-Fall gültigen Bemerkungen gelten auch für diese Methode.

Ist IRR eine TWR-Methode?
Kommen wir zurück zur eingangs erwähnten Konfusion bezüglich der Interpretation der IRR-Methode. Wie wir gesehen haben, kommt der IRR-Methode eine zentrale Bedeutung für beide, also für TWR und MWR", zu. Während sie im MWR-Fall gerade eins zu eins den MWR ergibt (MWR = IRR), dient sie im TWRFall als Basiselement für kleinere Zeitabschnitte, erst die zinseszinsgerechte Addition über die gesamte Performanceperiode führt zum gesuchten TWR.
Folgendes Beispiel zeigt, dass die IRR-Methode sowohl zur Bestimmung des MWR als auch des TWR genutzt werden kann: Wenn die Performance eines Portfolios in den letzten fünf Jahren mit der IRR-Methode berechnet wird, resultiert eine geldgewichtete Performance. Berechnet man für dasselbe Portfolio die monatlichen IRRPerformances und kombiniert diese (mit Zinseszins) zur Fünfjahresperformance, dann erhält man eine zeitgewichtete Performance.

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