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Logistik Disposition: 30 Prozent Einsparpotential!
Nicht nur die LSVA Erhöhung sondern auch
der zunehmende Konkurrenzkampf machen
es erforderlich, nach neuen Einsparpoten-
tialen Ausschau zu halten. Wo gibt es noch
Sparpotentiale im Strassentransport? Ein
interessantes Sparpotential liegt in der Flexi-
bilisierung der Disposition. Konkrete Fallstu-
dien zeigten, dass eine geschickte flexible
Disposition bis zu 30 Prozent Kosteneinspa-
rung bringt! Im Folgenden wird dargestellt,
was unter einer starren und flexiblen Dispo-
sition zu verstehen ist und welche Punkte
bei einem Wechsel von einem starren auf
eine flexibles Disposystem zu beachten sind.
Frank Steiger, Cantaluppi & Hug AG
ASTAG Strassen Transport / 02.2008
Was ist ein starres Dispositionssystem?
Die Transportunternehmen teilen
die Schweiz in starre Tourregionen auf.
Dies hat den Vorteil, dass die Fahrer ihr
Gebiet sehr gut kennen und somit ihre
Aufträge sehr schnell ausführen können.
Ein weiterer Vorteil liegt darin, dass die
Dispositionsarbeit relativ leicht zu bewältigen ist.
Die eingehenden Aufträge
werden einfach auf die vorgegebenen
Tourregionen verteilt und den dort eingeteilten
Fahrzeugen zugeteilt. Die Arbeit des Disponenten konzentriert sich
also in erster Linie auf das Sortieren der
Lieferscheine gemäss den vorgegebenen
Gebieten und Fahrzeugen.
Was ist ein flexibles Dispositionssystem?
Bei einem flexiblen Dispositions-
system geht man von den jeweiligen
Transportaufträgen aus und plant deren
Erledigung im Sinne eines Gesamtoptimums.
Regionale Einschränkungen, wie
das in starren Disposystemen der Fall ist,
gibt es nicht. Der Handlungsspielraum
des Disponenten wird also grösser, die
Dispositionsarbeit wird schwieriger, die
Arbeit des Disponenten wandelt sich
zum anspruchsvollen «Tourdesigner».
Der Vorteil der flexiblen Disposition
besteht im Einsparpotential, welches durch
den vergrösserten Handlungsspielraum
entsteht.
Beispiel starre Disposition kontra flexible Disposition
Im Folgenden zeigt ein ganz einfaches
Beispiel, welcher Unterschied zwischen
einer starren Disposition mit drei Fahrer-
Regionen und einer flexiblen Disposition
entsteht, wenn die genau gleichen Aufträge
disponiert werden. Die starre Dis-
position führt zwangsläufig zu drei Touren
für drei Fahrzeuge, die flexible
Disposition löst dasselbe Problem mit
zwei Touren für zwei Fahrzeuge. Die flexible
Dispositionslösung ist somit um
mehr als 20 Prozent besser als die Lösung
der starren Disposition.
Fallstudien zeigen ein Einsparpotential von 30 Prozent!
Fallstudien in mittelständischen Unternehmen,
in welchen parallel zur starren
Disposition eine flexible Disposition betrieben wurde, bestätigen den im kleinen
Beispiel gezeigten Effekt deutlich. Mit
einer geschickten Flexibilisierung der
Disposition konnten bis zu 30 Prozent
Kosteneinsparung nachgewiesen werden.
Trotzdem funktioniert die grosse Mehrheit
der heutigen Dispositionssysteme
nach starren Prinzipien.Wo liegt das Problem?
Man muss anerkennen, dass die Wandlung vom
starren zum flexiblen Dispositionssystem nicht so einfach ist und eine
sorgfältige Vorbereitung benötigt. Im
Folgenden werden die wesentlichen
Voraussetzungen der Dispositionsunterstützung,
der Integration der Fahrer und
der Führungsrolle aufgezeigt, die erfüllt
sein müssen, damit die Flexibilisierung
erfolgreich angegangen werden kann.
Dies bedeutet nicht, dass damit sämtliche
Problemkreise behandelt wurden,
doch es sind die wichtigsten, wenn man
an das Einsparpotential der flexiblen
Disposition herankommen will.

Bessere Unterstützung der Disposition
Geld verdient oder verliert man in der
Planung, sagt man zum Beispiel im Baugewerbe.
Ist dies nicht auch im Transportgeschäft der Fall? Durch die starre
Verankerung der Fahrzeuge mit den
Tourregionen sind dem Disponenten die
Hände gebunden. Durch die Orientierung am
Gesamtoptimum erhöht sich
aber die Komplexität der Disposition um
ein Vielfaches. Jede Dispositionsentscheidung
ist direkt erfolgswirksam, pro
Tag werden hunderte wenn nicht tau-
sende von Dispositionsentscheidungen
getroffen. Zudem muss man sich bewusst sein,
dass sich in der Transportindustrie grosse Multiplikationseffekte
verstecken, das heisst, wenn eine kleine
Verbesserung auf allen Touren respektive
Fahrzeugen durchgesetzt werden
kann, dann hat dies einen grossen Gesamteffekt.
Dies bedeutet, dass in einer flexiblen
Disposition der Art und Weise der Systemunterstützung
ein ganz anderer
Stellenwert zukommt als in einer starren
Disposition. Bevor man auf ein flexibles
Dispositionssystem wechselt muss deshalb ganz
genau geprüft werden, ob die
notwendige Dispositionsunterstützung
gegeben ist:
- Gibt es effiziente Darstellungshilfen?
Ist der Bearbeitungsstatus eines Auftrages
oder einer Tour jederzeit sichtbar? Wie schnell
ist eine beliebige Transportproblematik überblickbar?
- Gibt es schnelle Bewertungshilfen zur
permanenten Beuteilung der Effizienz
einer Tour oder der Gesamtlösung bezüglich
Deckungsbeitrag oder der Einhaltung von Kundenrestriktionen?
- Gibt es effiziente Reduktionsfilter, die
auf die jeweilige Arbeitsphase zu-
schneidbar sind und mit einem einzigen
Mausklick nur die dafür wichtigen Aufträge
und Touren zeigen?
- Gibt es passende Optimierungshilfen,
welche die Flexibilität ausschöpfen und
die Kundenrestriktionen dennoch berücksichtigen?
Besondere Vorsicht ist
hier in der Art und Weise der Berücksichtigung von
Kundenrestriktionen geboten. Deren ungeschickte Berücksichtigung kann die Gesamtkosten leicht
um über 10 Prozent in die Höhe treiben!
- Ist die mobile Fahrzeug-Kommunika-
tion tourintegriert oder ist sie nur meldungsorientiert?
Nur die tourintegrierte
Art bringt wirklich einen effektiven Nutzen!
- Unterstützt das Dispo-System eine rückmeldebasierte
Realtime-Disposition?
- Gibt es rückmeldebasierte Frühwarnungssysteme?
- Existieren rückmeldebasierte Tourbewirtschaftungsfunktionen?
Die aufgezählten Eigenschaften sind einige zentrale Merkmale,
welche ein modernes Dispositionssystem beinhalten
sollte. Gerade die tourorientierte Integration der mobilen
Fahrzeugkommunikation ist ein Schlüsselfaktor der Zukunft. Es geht dabei um die Art und
Weise, wie die zahlreichen Rückmeldungen im Dispositionssystem
wirkungsvoll
verarbeitet werden können.
Bessere Fahrerunterstützung ist eine zwingende Voraussetzung!
Eine flexible Disposition bedeutet, dass jeder Fahrer jeden
Tag in unvertrauten Regionen tätig sein kann. Die Fahrer wehren
sich, und dies mit Recht. Man kann nicht
verlangen, dass ein Fahrer sein Programm
unabhängig vom Einsatzgebiet in der
gleichen Zeit erledigt. Deshalb benötigt
der Fahrer in einer flexiblen Disposition
eine bessere Unterstützung, in erster Linie
bezüglich Tourablauf und Navigation. Die
folgenden beiden Eigenschaften sind für
das effiziente Zusammenspiel von Disposition und Fahrer
von herausragender Bedeutung:
- Es ist wichtig, dass dem Fahrer nicht
nur eine Auftragsliste gesendet wird,
sondern der von der Disposition geplante Tourablauf muss
ebenfalls übermittelt werden! Diese Eigenschaft ist in
einer flexiblen Disposition sehr wichtig,
denn der geplante Tourablauf muss im
Disposystem permanent mit dem effektiven Tourablauf
vergleichbar sein,
sei es für die Realtime Disposition, für
Frühwarnsysteme oder statistische
Tourbewirtschaftungsanalysen.
- Ein zweiter wichtiger Punkt betrifft die
Navigation zu Adressen. Diese Navigationsziele müssen
in höchster Qualität
aus der Disposition übermittelt werden. Der Fahrer
tippt das vorgegebene
Ziel im Tourablauf nur noch an und
schon wird er navigiert. Diese Eigenschaft ist für
den Fahrer von zentraler
Bedeutung, ein Fehlen dieser Navigationsunterstützung
macht es dem Fahrer unmöglich, geplante Touren in einem unbekannten Gebiet effizient
auszuführen.

Verfeinerte Führung und Strategie
In einem starren Disposystem stellt sich
die Führungsaufgabe ganz anders dar
als in einem flexiblen System.Während in
einem starren System die richtige Aufteilung der Tourregionen ein grosses
Thema ist, liegt der Fokus in der flexiblen
Disposition auf dem täglichen Gesamtoptimum. Operative Dispostrategien
müssen definiert werden, dabei spielen
Bewertungsoptionen zur Motivation und
Führung der Mitarbeiter eine wesentliche
Rolle. Auch die Abstimmung zwischen
Verkauf und Disposition wird in einem
flexiblen System anspruchsvoller und
muss wohl überlegt sein. Auch hier stellt
sich die Frage, ob die eingesetzten DispoSysteme die dazu
notwendigen Führungs-Informationen liefern können.
Fazit
Ein flexibleres Disposystem weist ein
immenses Einsparpotential auf. Die Realisierung dieses Potentials ist aber kein
Sonntagsspaziergang, es sind einige
Hürden zu nehmen. Die Disponenten
und die Fahrer müssen durch das Dispositionssystem sehr gut unterstützt und
die Führungsorganisation muss angepasst werden.
Die Grösse des Einsparpotentials ist von
Firma zu Firma unterschiedlich, deshalb
sollte man dieses in einer ersten Phase
mit konkreten Fallbeispielen abschätzen.
In einer zweiten Phase gilt es, die
Umsetzungsstrategie zu definieren und
letztlich muss für die eigentliche Umsetzung
genügend Kapazität organisiert
werden, denn derart grundsätzliche Änderungen
können nicht nebenbei eingeführt werden.
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